Spiel 1 (Stuttgart) bei den Deutschen Meisterschaften U12-Baseball in Paderborn

Dies ist ein Bericht über die Fahrt unserer Schüler-Teams nach Paderborn zu den Deutschen Meisterschaften. Unser Team ist in einem anstrengenden Finale gegen die Berlin Rams Berlin-Brandenburger Meister 2017 geworden (Final-Spiel 1Final-Spiel 2Final-Spiel 3).

Dieser Bericht besteht aus mehreren Teilen:

Vor 7 Uhr wecken

Ein großer Brocken kam gleich zu Beginn: die Reds aus Stuttgart, amtierender Deutscher Meister (und am Turnierende auch neuer Deutscher Meister). Wir waren aufgeregt.

Wie sehr, konnte man daran sehen, wann die Erwachsenen aufstanden. Wir erinnern uns: als Weckzeit wurde 6:45 Uhr vereinbart. Als dieser Schreiber um 6:45 Uhr aufstand, um alle anderen zu wecken, liefen Anja und Sven (von Oskar) bereits geduscht, angezogen und frisch gemacht über die Gänge. Sven (von Keanu) hatte bereits über 1 Stunde Baseball auf seinem Handy geschaut. Nur Walter und dieser Schreiber schafften es, bis 6:45 Uhr zu schlafen.

Gegen 7:20 Uhr waren alle Zähne geputzt, alle Taschen gepackt, alle Klamotten angezogen und wir gingen zum Frühstück nach unten (wo kurz darauf auch andere Teams eintrafen). 10 Minuten vor 8 Uhr gingen wir zu unseren Bussen und waren kurz vor 8 Uhr am Platz. Wir begannen mit Schlagtraining im Cage um 8 Uhr, dann noch etwas Warmup auf dem großen Feld der Untouchables.

Mittlerweile waren alle Eltern, Großeltern und mehr eingetroffen und sassen auf den Tribünen. Es gab Kaffee, laute Musik und es wurde viel geredet. Auch die Zuschauer waren aufgeregt. Wir hatten so ungefähr 40 Zuschauer für unser erstes Spiel.

Das erste Inning

Um exakt 9 Uhr begann unser Spiel gegen die Reds. Wir schlugen zuerst, aber im 1. Inning brachte nur Alex was zustande: einen Hit, der bei normalen Platzverhältnissen mind. ein Double wäre, hier aber im tiefnassen Schlammrasen liegen blieb, als er aufkam.

Für uns pitchte Keanu und er machte seine Sache ziemlich gut. Nur unsere Defense war nicht so, wie wir sie kannten. Am Ende sollten fürs gesamte Spiel zwei Errors zu Buche stehen, aber nur, weil diese Scorerin manchmal lieber den Hit gab als den Error. Im ersten Inning war die Reihenfolge: Single (durch Phillips Handschuh und Beine), Out an 1B, Walk, Unassisted Out an 1B, Single, Out an 1B. Zwei Runs waren drin, Stuttgart führte.

Die Sensation im 2. Inning

Wir waren dran. Markus erleidet ein Strikeout (das erste von vielen hintereinander, die Markus sehr bedrückten und an sich selber zweifeln liessen, bis er im letzten Spiel anfing, so zu schlagen, wie wir ihn kennen).

Insgesamt haben eigentlich fast alle Spieler nicht so geschlagen, wie wir es kennen. Nun gut, das sind die Deutschen Meisterschaften, da warten bessere Pitcher. Aber das erklärt es nicht komplett, glaube ich. Unsere Spieler waren beeindruckt und wollten unbedingt zeigen, dass sie hier her gehören, und waren deshalb vielleicht am Pressen statt am Entspannen. Oder aber die Zuschauerkulisse wirkte auf sie. Oder aber das Wissen, dass es ein Turnier ist, in dem man nicht viele Fehler machen darf (eigentlich gar keine, um auf diesem Level zu bestehen). Oder war 6:45 Uhr einfach zu früh?

Stuttgart wechselt den Pitcher, denn die Batters-Faced-Regeln bei so einem Turnier schreiben folgendes vor: entweder ein Spieler pitcht bis zu 5 Batters, dann braucht er keinen Tag Pause machen. Oder er pitcht mehr als das, bis zu 21 Batters Faced, dann sind Pausen fällig. Kurz gesprochen:

  • bis zu 5 und 16 Batters Faced in zwei Spielen an einem Tag (in Summe max. 21), aber danach im Turnier nicht mehr
  • bis zu 5 Batters heute und 21 Batters morgen ginge auch

Wir haben nicht soviele Pitcher, weil wir in Berlin nicht so viele brauchen, um erfolgreich durch eine Saison zu kommen. Unsere Strategie war, die Starting Pitcher bis zu 21 Batters Faced drauf zu lassen (unsere Starting Pitcher: Keanu, Hugo, Alex, Luke). Unsere Relief Pitcher waren: Phillip, Braima, Josh. Das war es auch schon.

Stuttgart hatte laut DM-Prospekt 13 Pitcher mitgebracht. Ihre Taktik war, für jeden Pitcher immer 5 Batters Faced und dann Wechsel. Somit war jetzt ein Wechsel fällig und der neue Pitcher hatte Probleme: Walk für Phillip, Single für Jannik (plus RBI). Es folgte ein Strikeout für Oskar. Dann folgte Braima mit einem Double (und RBI) und es steht 2:2. Hugo schlägt ein Single (plus RBI) und Luke kommt per Error auf die Base. Bei diesem Error kommt Hugo rein und wir führen 4:2. Alex erleidet ein Strikeout.

Wir führen 4:2 gegen den amtierenden Deutschen Meister. Wir sollten es nicht wissen, aber letzten Endes war das der Höhepunkt des Turniers. Näher an einen Sieg sollten wir nicht kommen. Aber was wir sehen konnten, war: wir führen gegen den Deutschen Meister. Wir gehören hier her, egal ob wir am Ende gewinnen oder nicht.

2017 09 22 DM 1

In ihrer Hälfte des Innings fingen die Stuttgarter aber an, zu schlagen. Sie sollten auch im Finale gegen Regensburg einfach immer auf den ersten Pitch schlagen. Gegen Keanu waren sie anfangs verwirrt, weil unsere Pitcher nicht so schnell werfen wie alle anderen. Aber irgendwann hatten sie sein Timing raus: Flyout in Left Field (Markus, yeah!), Walk, Single, Single, Groundout zum Pitcher. 2 Outs und es steht 4:4. Dann ein Triple, aber unser Outfielder an der Stelle hätte diesen Ball fangen müssen. Der Spieler hatte aber Angst, getroffen zu werden und entschied sich, den Ball seitlich zu fangen, was unendlich schwerer ist und selten klappt. Hier auch nicht.

Es folgten noch zwei Singles, bevor Keanu ein Strikeout gelang. Stuttgart führte 6:4.

Das dritte Inning

Stuttgart hatte schon im 2. Inning wieder gewechselt. Der aktuelle Pitcher war anscheinend ihr Closer: Alex war Strikeout gegangen, in diesem Inning folgten Keanu, Markus und Phillip mit Strikeouts.

Keanu war sehr psychisch stark in Anspruch genommen von seinem Strikeout und schmollte auf der Bank. Das geht so nicht, weil es alle anderen auf der Bank auch mit runter zieht. Setzt euch vor euren At-Bats keine unerfüllbaren Traumziele, dann seid ihr auch nicht enttäuscht, wenn ihr sie verfehlt. Geht rein und arbeitet im At-Bat. Wir haben euch alles beigebracht, was ihr braucht, um euch in einem At-Bat durchzusetzen. Aber manchmal gewinnt eben der Pitcher. Der letzte Pitch ist aber nicht der wichtigste, sondern immer der nächste. Und wenn andere Spieler oder Trainer zu euch kommen, um euch aufzubauen, dann dürft ihr sie nicht ignorieren oder wegschicken, weil das die Stimmung im Dugout noch mehr runterzieht. Im Summe hatten wir 6 Strikeouts bei gerade mal 15 At-Bats - hätten dann 6 Spieler ihre schlechte Laune im Dugout ausleben sollen?

Irgendwo zwischen Tribüne und Dugout wurde auch gemunkelt, wir hätten im 2. Inning Keanu als Pitcher auswechseln sollen und jemanden neuen bringen, um zu gewinnen. Dazu folgendes:

  • fängt der Outfielder den Ball, steht es noch 4:4 (hat er aber nicht und so lagen wir hinten)
  • wir wussten, dass wir keine Starting Pitcher mehr haben werden, wenn wir jetzt zu früh einen Move machen
  • Um zu gewinnen, müssen wir scoren (haben wir aber nicht, sondern nur 4 Hits, 4 Runs und viel zu viele Strikeouts)
  • hinterher weiß man immer alles besser, aber hätte das auch was gebracht, zu wechseln? Niemand weiß es, wir vermuten es nur.

Unsere Taktik war, mit 4 Starting Pitchern zu starten und sie solange wie möglich im Spiel zu lassen. Was anderes war auch kaum möglich, denn die Regeln mit den Batters Faced zwangen uns dazu.

Eigentlich war das Spiel vorbei, denn wir sollten nicht mehr schlagen. Stuttgart hatte Keanus Timing raus und schlug. Manches hätten unsere Fielder fangen können, klappte aber nicht immer. Letzten Endes gewann Stuttgart 12:4.

Fazit

Aber wir hatten im 2. Inning geführt. Wir haben sie ins Schwitzen gebracht und Stuttgart sollte auch noch fallen - unbesiegbar waren sie nicht, das haben wir den anderen Mannschaften gezeigt.

Keanus Pitching war ganz gut, fand ich. Hätten wir mehr Pitcher, hätten wir früher wechseln sollen (haben wir aber nicht, also ging es nicht). Verloren haben wir aber wegen schlampiger Defense (im 3. Inning liessen wir beispielsweise einen Homerun zu, den wir hätten auf ein Double oder Triple begrenzen hätten können, wenn einer der Outfielder auf seinen Cut geworfen hätte) und völlig schwachem Hitting: Hugo, Alex und Jannik hatten ein Single, Braima sogar ein Double. Alle anderen hatten nix vorzuzeigen.

Suche

Trainingsort